Die Hüter des Spiegels
- Erstellungsjahr:
- 2024
- Technik / Medium:
- Acryl auf Leinen
- Größe:
- 130 × 150 cm
Mit „Die Hüter des Spiegels“ entwickle ich eine Szene wie aus einer Traumsequenz – in kräftigen, vibrierenden Farben. Vor einem intensiven, fast glühenden Rot formieren sich Figuren, deren Körper aus organischen, mosaikartigen Fragmenten bestehen. Ein türkisblauer Kreis dominiert das Zentrum, flankiert von Gestalten, die für mich zugleich an Tiere, Menschen und Zeichen erinnern. Darunter liegt eine flirrende, spiegelnde Fläche – Wasser, Schatten, Gedächtnis.
Ich begreife das Bild als mythologisches Theater des Unbewussten. Die Figuren erscheinen wie Wächter, Suchende oder Boten: Sie umkreisen etwas Unsichtbares, das sich in der Spiegelung andeutet – das Innere, den Ursprung, das, was sich nicht direkt greifen lässt. Dabei spiele ich mit Gegensätzen: Farbe und Linie, Chaos und Struktur, Figur und Abstraktion. Schwarze Umrisslinien geben der Szene Halt, während die inneren Farbflächen von Bewegung, Überlagerung und Wandlung erzählen. So entsteht eine fragile Balance – ein Kosmos, der ständig in sich selbst zirkuliert.
Das Rot ist für mich nicht nur Hintergrund, sondern emotionaler Raum: Leidenschaft, Gefahr, Energie – und zugleich Erdung. Die Spiegelung am unteren Bildrand wirkt wie ein Atemzug: die Erinnerung daran, dass alles Sichtbare immer auch ein Gegenbild in sich trägt.
Psychologisch verstehe ich „Die Hüter des Spiegels“ als Allegorie inneren Gleichgewichts. Die Figuren sind Facetten des Selbst – Körper, Geist, Erinnerung, Instinkt – die in einen stillen Dialog treten, um Identität zu halten. Ich erzähle dabei keine Geschichte im klassischen Sinn: Die Figuren entstehen aus Energie. Sie sind Träger von Symbolen, keine Akteure – stille Bewahrer einer inneren Ordnung.
„Die Hüter des Spiegels“ gehört zu meiner Werkgruppe „Innere Landschaften“ und ist darin ein zentrales Hauptwerk. Es steht für die Verbindung von Reflexion und Instinkt, Bewusstsein und Urkraft. Das Spiegelmotiv, das in meiner Arbeit immer wieder auftaucht, wird hier zum Sinnbild eines Selbstgesprächs der Seele.