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Die Versammlung

Erstellungsjahr:
2021
Technik / Medium:
Acryl
Träger:
Papier
Thema:
Figuren, Beziehungen,
Größe:
60 × 80 cm

In „Die Versammlung“ zeige ich eine Gruppe dunkler, schemenhafter Vögel, die auf Ästen sitzen – still, wachsam, beinahe in Erwartung. Mich interessiert dieser Moment des Innehaltens, in dem etwas in der Luft liegt, ohne ausgesprochen zu werden.

Die Komposition ist bewusst vertikal aufgebaut. Zwei Astlinien strukturieren den Raum, während ich die Vögel mit dichten, unruhigen Pinselspuren forme. Der gelbgrüne Hintergrund erzeugt für mich eine eigentümliche Spannung – er ist weder freundlich noch bedrohlich, sondern bewegt sich in einem Zwischenzustand, der offen bleibt.

Ich sehe diese Szene wie eine stille Zusammenkunft, eine Art Konferenz ohne Worte.
Die Vögel stehen zueinander in Beziehung, reagieren aufeinander – und doch bleibt alles unausgesprochen. Genau dieses Spannungsfeld zwischen Nähe und Distanz interessiert mich. In diesem Schweigen entsteht für mich die eigentliche Tiefe des Bildes.

Die Oberfläche habe ich bewusst roh gehalten. Ich arbeite mit Schichten, mit Abtragungen, mit Übermalungen – so, als würde das Bild selbst eine Geschichte tragen.
Das Dunkel der Figuren steht im Kontrast zum lichtdurchwirkten Hintergrund. Für mich entsteht daraus eine stille Dialektik: zwischen Beobachten und Beobachtetwerden, zwischen Präsenz und Schatten.

Ich verstehe „Die Versammlung“ auch als eine Allegorie auf menschliches Verhalten.
Es geht um Kommunikation, um Macht, um Isolation – aber auch um das grundlegende Bedürfnis nach Zugehörigkeit. Wie die Vögel auf den Ästen bewegen auch wir uns in unseren sozialen Strukturen zwischen Nähe und Fremdheit, zwischen Ordnung und Chaos.

Der Vogel ist für mich dabei kein symbolischer Bote im klassischen Sinn. In diesem Bild wird er zum Zeugen – zu einer Figur, die beobachtet, ohne einzugreifen.

Ich sehe „Die Versammlung“ in der Werkgruppe „Fragmente des Menschlichen“. Gleichzeitig markiert es für mich einen Übergang hin zu den „Inneren Landschaften“, in denen äußere Beobachtung und innere Zustände zunehmend ineinanderfließen.

In diesem Werk beginne ich, beides stärker zu verbinden: das, was ich sehe, und das, was ich empfinde.

Für mich ist „Die Versammlung“ ein frühes Bild meiner Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Individuum und Kollektiv – mit der Frage, wie wir Teil eines Ganzen sind und dennoch für uns bleiben.