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Gefäß der Zeit

Erstellungsjahr:
2023
Technik / Medium:
Acryl
Träger:
Leinwand
Thema:
Stillleben, Vase, Blumen
Größe:
40 × 60 cm

In „Gefäß der Zeit“ greife ich bewusst ein Motiv auf, das zunächst vertraut wirkt: eine Vase mit zwei Blumen.
Doch mich interessiert nicht das klassische Stillleben an sich, sondern das, was dahinter liegt – das Unsichtbare, das sich in einfachen Formen verbirgt.

Die Vase habe ich wie ein Netz aus roten Linien aufgebaut. Für mich ist sie gleichzeitig Form und Begrenzung – sie hält, was in ihr ist, und schränkt es zugleich ein. Genau in diesem Spannungsfeld bewege ich mich: zwischen Transparenz und Widerstand, zwischen Freiheit und Zerbrechlichkeit.

Die Blumen sind für mich keine dekorativen Elemente. Sie tragen bereits Spuren des Vergehens in sich.
Ihre leicht geneigten Köpfe erzählen von Zeit, von Veränderung. Und trotzdem bleibt das Bild lebendig – durch die leuchtenden Grüntöne, durch die Bewegung meiner Pinselstriche, durch Tropfen weißer Farbe, die etwas Unkontrollierbares ins Bild bringen.

Ich wollte die Ruhe des klassischen Stilllebens aufbrechen. Für mich ist dieses Gefäß kein Objekt, sondern ein Zustand: ein Behälter für Erfahrungen, Erinnerungen, Emotionen.
Ein Ort, in dem Schönheit und Vergänglichkeit untrennbar miteinander verbunden sind.

Beim Arbeiten hatte ich das Gefühl, dass jede Linie, jeder Tropfen atmet.
Dass die Oberfläche selbst lebendig wird. Es geht mir nicht um Nostalgie, sondern um ein waches Bewusstsein für den Moment – um das Gleichgewicht zwischen Halten und Loslassen.

Ich sehe „Gefäß der Zeit“ in der Tradition des Stilllebens, das sich seit Jahrhunderten mit Vergänglichkeit beschäftigt. Doch mich interessiert weniger das Ende als der Wandel selbst. Nicht das Vergehen, sondern das, was sich im Vergehen zeigt.

Mit diesem Werk erweitere ich für mich die Werkgruppe „Fragmente des Menschlichen“.
Der Mensch selbst ist nicht sichtbar – und doch ist er überall präsent.
Die Vase wird zum Stellvertreter des Inneren, zu einer Art stillen Selbstporträt.

Für mich ist dieses Bild eine Meditation über das, was wir tragen – und über das, was wir irgendwann loslassen müssen