Winterbrunnen
- Erstellungsjahr:
- 2022
- Technik / Medium:
- Acryl
- Träger:
- Papier
- Thema:
- Stillleben, Figur, Heimat
- Größe:
- 60 × 80 cm
In „Winterbrunnen“ (Bronzefigur am Philosophenweg in Markt Indersdorf) beschäftige ich mich mit einem Moment der völligen Ruhe – einem Zustand, in dem Zeit fast stillzustehen scheint. Die Figur im Zentrum ist für mich keine konkrete Person, sondern eine Art Zwischenwesen: halb Mensch, halb Allegorie. Sie wirkt wie eingefroren in einem Augenblick der Stille.
Ich habe die Szene bewusst in kühle, gedämpfte Blautöne getaucht, um die Atmosphäre eines winterlichen Tages spürbar zu machen.
Mich interessiert diese Leere, diese Klarheit, die Kälte mit sich bringt. Die körnige Oberfläche und die sichtbaren Pinselspuren brechen das Licht und lassen das Bild leicht flirren – als würde es zwischen Gegenwart und Erinnerung oszillieren.
Die Figur beugt sich über einen Fisch, was für mich eine leise Anspielung auf mythologische Brunnenmotive ist. Gleichzeitig sehe ich darin eine Geste der Reflexion – ein Innehalten. Die Statue wird so zu einer Metapher für Erstarrung, aber auch für Bewusstsein: ein Moment, in dem man innehält und sich selbst begegnet.
Mich reizt in diesem Bild besonders der Gegensatz zwischen Material und Empfindung. Stein steht für Härte, Dauer und Unbeweglichkeit – die Malerei hingegen für Sensibilität, Wahrnehmung und Veränderung. Genau in dieser Spannung entsteht für mich die eigentliche Tiefe des Werkes.
Gleichzeitig fließen impressionistische Elemente in meine Arbeit ein – vor allem im Umgang mit Oberfläche und Licht. Doch ich nutze sie nicht, um Atmosphäre abzubilden, sondern um eine innere, fast existenzielle Bildsprache zu entwickeln.
Das Werk gehört für mich zur Werkgruppe „Figur und Ort“ (2022–2023). Innerhalb dieser Reihe bildet es einen Ruhepunkt – ein Bild, in dem Bewegung ausgesetzt ist und Zeit für einen Moment innehält.
Für mich ist „Winterbrunnen“ weniger eine Darstellung als ein Zustand: eine stille, fast fragile Balance zwischen Präsenz und Abwesenheit, zwischen Wahrnehmung und Erinnerung.